Montag, 12. April 2010

...auf dem Heimweg...

…spaziere ich zufällig bei dem griechischen Ecklokal vorbei. Es ist zwar Mittagszeit, aber es regnet, deswegen sitzt niemand im Vorgarten, den ich schamlos beim Essen beobachten könnte. Völlig uninteressant, denke ich, bis ich die wahlplakatgrossen Schilder sehe, die am Eingang lehnen und augenscheinlich darauf warten, aufgestellt zu werden. Darauf sind Speisen abgebildet, nämlich einige von denen, die man in dem Restaurant konsumieren kann.

Also bitte. Turnt das nur mich dermaßen ab? Ich will kein fotografiertes Essen essen! Fotos auf Speisekarten verleihen ein Flair von Touristenfalle und würdigen die unter Umständen durchaus wohlschmeckenden Nahrungsmittel zu seelenlosem Fast Food herab. Die Farben auf diesen Bildern sind noch dazu immer so grell, dass mir unwillkürlich der Louis de Funès-Film „Brust oder Keule“ einfällt. Da wird nämlich ein Lebensmittelhersteller entlarvt, der seine Waren aus einer gipsähnlichen Masse presst, mit Farbe besprüht und dann wahlweise als Fisch/Huhn/Salat vertickt. Der hatte sicher auch Fotos auf seinen Speisekarten, darauf wette ich!

Gibt es da eigentlich auch ein Casting - Gyros gegen Suvlaki? Tsatsiki gegen Feta? Und wann wird das dann fotografiert? Wird meinem Moussaka etwa kurz vorm Servieren mit der Digicam die Seele geklaut?

Und wer meint, so hübsche Bildchen wären doch hilfreich für das internationale Klientel des Etablissements – auf das auch Gäste, die nicht des Deutschen oder Griechischen mächtig sind wissen, was sie essen – hat noch nie die wahre Poesie einer Speisekarte genossen. Niemand kann mir erzählen, dass man zum Beispiel das legendäre „Seltsam-Schmeck-Huhn“ vom Chinesen im 17ten mit Bildern noch besser beschreiben kann.

Das braucht es einfach nicht. Es sei denn, man verkauft wirklich Fisch/Huhn/Salat (vorzugsweise mit Soße in Brötchen). Da weiß ich dann schon, wo ich hingehen muss, wenn ich Appetit drauf habe. Hat eigentlich jemals ein Restaurant mit Fotos auf der Speisekarte eine Haube bekommen?