Samstag, 25. September 2010

...im Kino...

...sitze ich in einem klassischen Frauenfilm. Wie ich da hineingeraten bin, spielt keine Rolle. Es ändert ja schließlich nichts daran, dass ich über mich ergehen lasse, wie sich die Protagonistin über zwei Stunden lang durch eine Sinnkrise isst, betet und liebt. Danach hat sie sich selbst gefunden und es geht ihr wieder supigut und alles ist in Butter.

Nachdem die im Film angebotenen Problemlösungsstrategien so gut funktionieren fange ich an zu überlegen, ob da nicht was für mich dabei wäre. Hmmm... essen. Jahaaa, DAS kann ich. Gern und wenn es sein muss auch viel. Wobei, Japanisch mag ich nicht so, außerdem habe ich eine Abneigung gegen alles, was glibbert oder Fangarme hat(te). Melonen brauche ich nicht unbedingt, mit Pilzen kann man mich jagen. Ach ja, und Gorgonzola finde ich total eklig.

Gut, also lassen wir das mit dem Essen. Allerdings, beten ist jetzt auch nicht so mein Ding. Ich bin altmodisch genug zu glauben, dass zu einem guten Plauscherl ein Gegenüber dazugehört, das hin und wieder auch was zum Gespräch beiträgt. So mangelt es mir an der nötigen Inbrunst, und für's Meditieren bin ich generell zu zappelig.

Bleibt noch lieben. Verlässliche Freunde, tolle Familie? Im Ernst jetzt, hab ich doch alles. Sägen zwar auch manchmal an meinen Nerven, aber das ist doch alles kein Grund zu so drastischen Massnahmen zu greifen wie essen oder beten.

Immerhin, nach zweieinhalb Stunden Kino mit lauter schluchzenden Sitznachbarinnen weiß ich: ich bin offenbar total verkorkst. Ich finde mich am ehesten in Spaghetti. Ich kann nicht stillsitzen, um mich mit dem Universum zu unterhalten. Ich steh auf die Leute, die mich umgeben. Was soll ich sagen: Gott sei Dank!

Donnerstag, 23. September 2010

…auf dem Amt…

…will ich ein paar Dokumente einreichen. An sich keine große Sache: hinfahren, abgeben, glücklich sein. Nun muss ich aber eine Gebühr entrichten, damit meine Unterlagen ordnungsgemäß gestempelt werden und zu diesem Behufe schickt man mich zum Kassenschalter. Den finde ich auch gleich, aber er ist geschlossen. Das Glasfenster mit der Durchreiche auf Bauchhöhe ist verrammelt mit einer Jalousie und es wirkt eindeutig, als sei niemand zu Hause (falls doch, will jedenfalls niemand gestört werden). Ich finde einen Klingelknopf, den ich schüchtern betätige.

Es erklingt ein typisches Wohnungsglocken-DingDong und - rumpelrumpel - die Jalousie wird nach oben gezogen. Mir eröffnet sich der Blick in das Reich von Werner und Herbert, wie ein (hoffentlich von den lustigen Kollegen) selbstgemaltes Transparent, das an dem nahestehenden Schreibtisch befestigt ist, unübersehbar verkündet. Die Fenster sind dekoriert mit herbstlichen Aufklebern (bunte Blätter und Igel), die Wände quasi tapeziert mit farbigen A4-Zetteln, auf denen heitere Sinnsprüche zu lesen sind: „Gib jedeN Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden“, lese ich. Herzlich willkommen!

Werner oder Herbert fordert mich durch die Glasscheibe auf, ihm via Durchreiche meine Dokumente zu übergeben, um sodann mit Herbert oder Werner die weitere Vorgangsweise zu besprechen. Sie werden sich einig, stempeln meine Zettel (Hurra!) und starten die Bankomatzahlung. Oh Wunderwerk der Technik: HerbertWerner drückt drinnen einen Knopf, und draußen vor der Glasscheibe piepst das Terminal!

„Karte einführen“ lese ich. Ich führe meine Karte ein. „Lesefehler, nochmal Karte“. Ich nehme die Karte raus, stecke sie wieder rein. „Lesefehler, nochmal Karte“. Raus, rein. „Jetzt ned!“ brüllt Herbert (Werner?) von drinnen. Er muss brüllen, denn sonst kann ich ihn auf die Entfernung durch die Glasscheibe nicht hören. Er sitzt nämlich an seinem Schreibtisch, starrt auf seinen Monitor und schüttelt missbilligend den Kopf. „Lesefehler, nochmal Karte“.

Was soll ich jetzt bloß machen? Das Bankomatgerät sagt das Gegenteil von WernerHerbert! Ich stehe da, die lesbaren Fakten auf der einen und die vorwurfsvollen Blicke auf der anderen Seite und komme mir total blöd vor. Da werde ich erlöst: „Jetzt!“ wettert es aus dem Wohnzimmer hinter der Scheibe, und blitzschnell ist meine Karte wieder drin. „Abbruch“ sagt das Display. Ich bin so frei, meine Karte aus dem Gerät zu entfernen und habe das Gefühl, dass gleich jemand explodiert.

Während Herbert oder Werner auf seiner Tastatur rumhämmert, steht Werner oder Herbert möglichst unauffällig in der Gegend rum. Es ist total klar, wer hier der Techniker ist. Es piepst, und die Bankomatkassa möchte erneut meine Karte. Beherzt drücke ich das Stück Plastik in den Schlitz, schicke ein Stoßgebet zum Himmel und siehe da, es funktioniert. Erleichtert tippe ich meinen Code ein, nehme meine Dokumente und die Rechnung entgegen und suche das Weite. Hinter mir höre ich noch, wie – rumpelrumpel – die Jalousie wieder runtergelassen wird…