Dienstag, 20. November 2012

...im Sportgeschäft (2)...


…kann ich mich eigentlich nur noch wundern. Aber von Anfang an. Ich bin in meiner Eigenschaft als „Platinum-Kunde“ vor Ort. Solcherart veredelt halte ich meinen „persönlichen Gutschein“ über „minus 18 Prozent auf einen Artikel Ihrer Wahl“ in den Händen. Aber nur an diesem bestimmten „Freitag und Samstag“. Da kommt Freude auf – und natürlich Druck. Ich meine, „minus 18 Prozent“ sind doch keine Kleinigkeit! Die wollen wohl überlegt sein!

Deswegen wurde schon im Vorfeld eifrig Skigewand probiert, gemessen, für trag- bzw. untragbar befunden. Die gute Nachricht: eigentlich haben wir fast alles. Die schlechte: Junior 1 braucht eine Fleecejacke. Die noch schlechtere Nachricht: das Sportgeschäft hat rechtzeitig zu den Platinum-Tagen die interessante Ware ins Lager geräumt. Aber! Ich! Will! Doch! Den! Gutschein! Einlösen!

Handschuhe. Dringend, beschließe ich. Die werden sie schon nicht versteckt haben, denke ich. Und siehe da: Handschuhe gibt es wirklich jede Menge. Alle erdenklichen Formen und Farben, in dick und in dünn, in teuer und günstig. Allerdings für Herren. Ich streife durch das Geschäft, fange einen Verkäufer ein und frage mutig nach den Damenhandschuhen (schließlich bin ich ja immer noch „Platinum-Kunde“). Der Herr legt die Stirn in Falten, denkt (?), deutet auf das Regal neben mir und antwortet bedächtig: „Das hier sind Laufhandschuhe.“

Jetzt entsteht eine kurze Diskussion, die ich in diesem Rahmen nicht wiedergeben möchte. Jedenfalls lerne ich daraus, dass man als Frau nicht zu kleinlich sein darf. Hand ist Hand, egal was auf den Schildern drauf steht. Mit „Herren“ sei eh „für alle“ gemeint. Das mache die Zentrale immer so.

Das ärgert mich dann schon ein klitzekleines bisschen. Vor allem, als ich den Ständer mit den „Damen-Skihandschuhen“ passiere. Ich verwerfe den Handschuhplan.

Socken. Dringend, beschließe ich. Und ohne Schmäh und ganz ehrlich, es gibt bloß... na? Richtig, Herrensocken. Ausnahmslos. Nur der Doppelpack in Größe 35-38 tröstet mich ein wenig über meine Platinum-Niederlage hinweg. Denn der kleine Mann von heute hüllt seine Füße in Rosa. 

Samstag, 21. Juli 2012

...in der Küche...


...stecke ich bis zu den Ellbogen in einer klebrigen, undefinierbar bräunlich-grau gefärbten Masse, die komisch riecht. Teig soll das sein, Brot soll es werden. Mittlerweile pickt die Mischung nahezu überall: Arbeitsfläche, Fliesen, Löffel, Espressomaschine, Wasserkocher, Brotschneider, meinereiner. Ich fühle mich hilflos.

In Wirklichkeit bin ich ja ein Opfer. Es musste so kommen, ich konnte mich nicht wehren: die Kochsendungen auf RTL Living haben mein Hirn gründlich gewaschen. Einmal nicht drübergehoppt und, schwupps, verloren. Denn plötzlich will ich das alles auch. Ich will Knoblauchzehen mit dem Messer erlegen wie Jamie Oliver, ich will Zucchiniblüten frittieren wie Hugh Fearnley-Whittingstall, ich will in meine selbstgemachten Kuchen beißen wie Nigella Lawson, ich will Schnecken pürieren wie Heston Blumenthal (ok, das vielleicht nicht). Ich will Gäste, die "Delicious!", "Fantastic!" und "Unbelievable!" rufen, wenn sie mein selbstkreiertes Essen kosten.

Soweit der Plan. Für den Anfang hatte ich mir was "ganz Einfaches" (O-Ton Jamie Oliver) ausgesucht. Sauerteigbrot. Ein bisschen Wasser, ein bisschen Mehl, ein bisschen Zeit und, schwupps, hat man seinen eigenen, kleinen Sauerteigfreund, der lebt und blubbert und gefüttert werden muss. Jedes Mal, wenn ich meinen persönlichen "Jamie" mit dem Schneebesen rühre, höre ich im Kopf die Signation von "Jamies 30 Minuten Menüs". Ich fühle mich gut, alles ganz easy (und zum Schluß einen Schuß Olivenöl, das Gute).

Nach ein paar Tagen entwickelt "Jamie" Charakter. Soll heißen, er stinkt. Ich rühre und füttere und halte eisern an dem Glauben fest, dass Kochen bzw. Backen wirklich so einfach ist wie im TV. Freue mich auf den Moment, an dem ich mit den bloßen Händen mein eigenes Brot kneten werde. So echt. So ursprünglich!

Und da wären wir nun. In meiner Küche kleben die übel riechenden Überreste meiner Illusion. Willkommen zu Hause in der Realität, in der das Debakel auch wieder weggeputzt werden muß. In der niemand diesen Haufen je kosten wird. In der ich mich leise von "Jamie" verabschiede und ihn, nicht ohne vorher zu kontrollieren ob ich beobachtet werde, im Hausmüll entsorge. Dort wird es ihm besser gehen. Bestimmt. Und jetzt muß ich "Hugh" füttern gehen.