Freitag, 26. Februar 2010

…an der Supermarktkassa…

…ist es wieder passiert. Eigentlich passiert es mir andauernd. Und ich rede jetzt nicht von der allseits bekannten Tatsache, dass man grundsätzlich in der Warteschlange steht, in der es am längsten dauert. Das regt mich nur noch in Ausnahmefällen auf, da bin ich total abgeklärt. Nein, ich spreche davon, dass die Kassiererin meine Einkäufe schneller über den Scanner zieht, als ich sie wieder in mein Wagerl räumen kann. Davon, dass ich die Waren direkt in mein Einkaufssackerl verfrachten könnte, wage ich ja schon gar nicht mehr zu träumen (vor ein paar Monaten ist mir das mal gelungen, da war ich aber stolz!).

Nachdem ich ja nun um dieses rätselhafte Phänomen weiß, versuche ich mich vorzubereiten. Ich nutze meine Wartezeit, um zu planen, wie ich mithalten kann mit dieser affenartigen Geschwindigkeit. Also, Sackerl geöffnet im Wagen positionieren. Erst die großen Sachen aufs Förderband, die werden dann in die Ecken gestellt. Danach Kleinzeug, das nicht kaputtgeht – super, weil das kann man en bloc in die Tragetasche werfen. Zum Schluss die Dinge, die nicht zerdrückt werden sollen, Obst, Gemüse, Eier.

Die Kassiererin, jung, gebräunt, sorgfältig geschminkt, greift zum ersten Produkt… Halt! Sie muss doch von vorn nehmen! Nicht mit den Eiern beginnen! … piep, piep, piep, liegt vor mir mein Haufen Einkäufe. Und während ich hektisch damit beschäftigt bin, möglichst rasch Ordnung ins Chaos zu bringen, sitzt die junge Dame an der Kassa mit unübersehbar triumphierendem Lächeln da, guckt Löcher in die Luft und trommelt mit ihren Fingernägeln gelangweilt und ausreichend demütigend auf die Kassa (echt jetzt! - und sie macht das auch, wenn niemand hinter mir wartet). Der Druck, der auf mir lastet, ist enorm und während ich in meiner großen, schwarzen Tasche meine kleine, schwarze Geldbörse suche, habe ich einen Schweißausbruch.

Das schlimmste ist, ich glaube, sie stehen drauf. Nur eine schnelle Kassiererin ist eine gute Kassiererin: Der geheime Supermarkt-Kodex. Gott sei Dank gibt es im Supermarkt meiner Wahl jedoch eine etwas ältere Angestellte, der das alles gleich zu sein scheint. Mit stoischer Ruhe zieht sie Packung um Packung so langsam wie möglich über den Scanner, unbeirrt von elendslangen Warteschlangen und ungeduldigen Kunden. Und bei ihr stelle ich mich an, wenn es mir reicht. Das reinigt innerlich und macht Mut für die nächste Runde im Kampf mit dem jugendlichen Tempowahn. Weil: irgendwann bin ich schneller.

Dienstag, 23. Februar 2010

...beim Anziehen...

...sah ich glasklar. Es ist entsetzlich. Ich werde alt. Das merke ich jetzt nicht nur an den harten Fakten (also dem ekelhaft runden Geburtstag, den ich heuer überstehen muss), sondern vielmehr an meiner verlorengegangenen Kritiklosigkeit in puncto Stilfragen. Soll heißen: mittlerweile dominiert die Vernunft bei der wichtigen Frage, was ich heute anziehen soll. Und das wiederum heißt, dass ich mich inzwischen der Jahreszeit angemessen kleide.

Mit komplettem Unverständnis beobachte ich Menschen, die lieber schön sind als wahlweise nicht zu frieren/zu schwitzen. Die Studentin, die im August in der U-Bahn bei gefühlten 40 Grad Celsius mit stylischem Schal um den Hals und Lammfellstiefeln an den Füßen den Sommer Lügen straft, sieht zwar vielleicht ganz gut aus, ok, aber… Halloho? Es ist Sommer, also raus aus den Klamotten!

Fein war auch die Opernballübertragung neulich. Da stehen sie alle im Freien auf dem „Red Carpet“ in schulterfreien Designerroben und tun so, als wären ihnen minus 7 Grad, eisiger Wind und Schneefall völlig wurscht. Dabei friert mir beim Zuschauen schon alles ab, und ich kann überhaupt nicht verstehen, wie die es alle schaffen, nicht gequält dreinzuschauen und mit den Zähnen zu klappern.

Und dabei habe ich noch die mahnenden Worte meiner Mutter im Ohr, die mich während meiner Teenagerjahre unermüdlich entweder auf die zu kurze Jacke, das unpassende Schuhwerk oder die fehlende Mütze aufmerksam machte. Was soll ich sagen? In dieser Wintersaison habe sogar ich mir eine Haube angeschafft und sie dankbar getragen. Dankbar einerseits, weil ich warme Ohren hatte und andererseits, weil meine Umwelt ob meines Anblicks nicht in Lachkrämpfe ausgebrochen ist.

So ist das wahrscheinlich im Leben, man verweichlicht ganz langsam vor sich hin und wenn es einem auffällt, ist es zu spät. Ich trage meine Haube immer bei mir. Der nächste Schritt führt mich dann wohl unweigerlich zu beigen Gesundheitsschuhen, hautfarbenen Strumpfhosen und braunen, wadenlangen Röcken wie sie meine Oma immer getragen hat.

Übrigens: für diejenigen, die noch nicht mein greises Alter erreicht haben wird es Zeit. Zeit, die Sommersachen wegzupacken und das Wintergewand in Gebrauch zu nehmen. Der Frühling kommt!

Montag, 22. Februar 2010

...nach dem Skiurlaub...

...überkommt uns der alljährliche, übermächtige Drang nach Schokolade. Natürlich essen wir auch sonst hin und wieder gerne was Süßes, aber trotzdem ist die braune Gute-Laune-Medizin normalerweise kein Bestandteil unseres täglichen Ernährungsplanes. Aber ist ja auch egal. Was ich eigentlich sagen will: einmal im Jahr mache ich mich auf zum Supermarkt, um eine möglichst überdimensional große Tafel „Trauben-Nuss“ (aber nur, weil P. das so will!) in der allseits bekannten, einprägsam bunten Verpackung zu kaufen.

Und weil ich das nur einmal im Jahr mache, schaue ich mir dann auch wirklich an, was da so draufsteht auf meiner knalligen Riesenschoki. Klar, lauter knackige Nüsse drin. Ebenfalls total gesund aussehende Rosinen. Eine Kuh ist auch drauf, schöne Farbe. Und, schau, schau: „Garantiert 100% Alpenmilch“ – na, wenn das mal kein Versprechen ist!

Denn, bitte, was genau ist Alpenmilch?

Milch, in den Alpen frisch gezapft vom Bergbauern? Oder muss die Spenderkuh in der Alpenregion geboren sein? Ist das Fressen von sattgrünem Alpengras Voraussetzung für die Produktion von Original-Alpenmilch? Weil, das Gras könnte man ja unter Umständen auch exportieren. Es wäre natürlich auch möglich, dass die Durchschnittskuh nach einem dreitägigen Vor-Ort-Seminar „Alpenmilch zertifiziert“ wird. Was praktisch wäre, denn dann müsste man den edlen Tropfen nicht so weit durch die Gegend zur Schokoladefabrik chauffieren. Falls die nicht ohnehin am Berg oben steht. Aber was weiß schon ein einfacher Konsument wie ich.

Vielleicht ist es aber auch so, dass gewöhnliche Milch genau durch den Transport in die Alpen veredelt wird! Ja, und je weiter oben die Fabrik, desto höher der Alpen-Anteil der Milch. Das heißt: Schoko-Werk neben dem Gipfelkreuz - 100% Alpenmilch. Mittelstation - 50%. Und die Faulen, denen das Geschiss mit dem Berg zu mühsam ist, müssen halt mit stinknormaler Milch vorlieb nehmen. Ja!

Doch am Ende des Tages stelle ich mich der harten Realität: die Alpenmilch kommt höchst wahrscheinlich dort her, wo auch die Carmagnola-Minze wächst. Und das einzige, was mir garantiert wird, sind hundert Prozent, unpackbar viele Kalorien. Die werden nämlich neuerdings auf der Vorderseite angeführt.

Ich verschiebe die Tafel auf nächstes Jahr. Sollen doch die anderen dick und fett werden, ha. Und jetzt lese ich mir die Rückseite durch. Muh!

Donnerstag, 11. Februar 2010

…in der Früh…

…war ich unterwegs in Sachen direkter Demokratie. Weil, ich wohne ja in Wien und da kann ich neuerdings mitbestimmen. Die Stadt hat mir einen bunten Zettel mit fünf Fragen zugeschickt (bei denen sie sich wahrscheinlich alleine nicht entscheiden kann) und den habe ich brav ausgefüllt (bei einer Frage konnte ich mich aber auch nicht entscheiden), in die erforderlichen zwei Briefumschläge eingetütet und ganz fest zugepickt. So einfach geht das. Toll, oder?

Und da sind wir auch schon beim eigentlichen Problem. Der finale Schritt zur Wahrnehmung meiner Bürgerrechte erfordert den Einwurf meines sorgsam verpackten Stimmzettels in einen Briefkasten, damit die liebe Post ihn dann der Stadt bringen kann, die sich dann freut und natürlich in meinem Sinn entscheidet. Ich war durchaus optimistisch, dass das zu schaffen ist, schließlich sind bei uns die Postkästen auffällig gelb und nicht rot-getarnt wie in Italien, wo ich noch jedes mal meinen Mist hineinschmeißen wollte (und umgekehrt).

So gerüstet spazierte ich guten Mutes die belebte Einkaufsstraße, an der ich wohne, entlang, meinen wachen Blick auf Hauswände und Straßenecken gerichtet auf der Suche nach der charakteristischen, knalligen Farbe und dem einladenden Briefeinwurfschlitz. Was soll ich sagen – meine weisen Antworten liegen immer noch in meiner Tasche. Ich konnte beim besten Willen keinen Postkasten finden, und ja, vielleicht war es ein klein wenig naiv zu glauben, die seien an einer Hauptstraße an jeder Ecke. Doch selbst an den geheimen Geheimstellen in Nebenstraßen und Seitengassen, zu denen ich dann extra gegangen bin, war kein Briefkasten mehr. Die sind alle v e r s c h w u n d e n ! ! !

Also wie jetzt von wegen „direkte“ Demokratie? Heißt das, dass ich meinen Stimmzettel direkt hinbringen soll? Warum haben die das nicht gleich gesagt? Nicht mir mir. Ich gebe nicht auf. Weil, eine Stelle kenne ich noch - ein todsicherer Tipp. Und ansonsten bleibt mir ja noch der italienische Weg.

Mittwoch, 10. Februar 2010

...also heute...

...habe ich beschlossen, mit der Zeit zu gehen. Rede ich mir zumindest ein, weil eigentlich hat den Kram ja eh schon ein jeder und damit ist er doch fast schon wieder out. Ist das so? Egal, ich rede mich auf meine generelle Unwissenheit heraus und fühle mich vorsorglich einfach mal total cool.

Jedenfalls habe ich jetzt auch ein Blog, jawohl. Mal schauen, ob außer Besitzerstolz noch was draus wird.