Dienstag, 23. Februar 2010

...beim Anziehen...

...sah ich glasklar. Es ist entsetzlich. Ich werde alt. Das merke ich jetzt nicht nur an den harten Fakten (also dem ekelhaft runden Geburtstag, den ich heuer überstehen muss), sondern vielmehr an meiner verlorengegangenen Kritiklosigkeit in puncto Stilfragen. Soll heißen: mittlerweile dominiert die Vernunft bei der wichtigen Frage, was ich heute anziehen soll. Und das wiederum heißt, dass ich mich inzwischen der Jahreszeit angemessen kleide.

Mit komplettem Unverständnis beobachte ich Menschen, die lieber schön sind als wahlweise nicht zu frieren/zu schwitzen. Die Studentin, die im August in der U-Bahn bei gefühlten 40 Grad Celsius mit stylischem Schal um den Hals und Lammfellstiefeln an den Füßen den Sommer Lügen straft, sieht zwar vielleicht ganz gut aus, ok, aber… Halloho? Es ist Sommer, also raus aus den Klamotten!

Fein war auch die Opernballübertragung neulich. Da stehen sie alle im Freien auf dem „Red Carpet“ in schulterfreien Designerroben und tun so, als wären ihnen minus 7 Grad, eisiger Wind und Schneefall völlig wurscht. Dabei friert mir beim Zuschauen schon alles ab, und ich kann überhaupt nicht verstehen, wie die es alle schaffen, nicht gequält dreinzuschauen und mit den Zähnen zu klappern.

Und dabei habe ich noch die mahnenden Worte meiner Mutter im Ohr, die mich während meiner Teenagerjahre unermüdlich entweder auf die zu kurze Jacke, das unpassende Schuhwerk oder die fehlende Mütze aufmerksam machte. Was soll ich sagen? In dieser Wintersaison habe sogar ich mir eine Haube angeschafft und sie dankbar getragen. Dankbar einerseits, weil ich warme Ohren hatte und andererseits, weil meine Umwelt ob meines Anblicks nicht in Lachkrämpfe ausgebrochen ist.

So ist das wahrscheinlich im Leben, man verweichlicht ganz langsam vor sich hin und wenn es einem auffällt, ist es zu spät. Ich trage meine Haube immer bei mir. Der nächste Schritt führt mich dann wohl unweigerlich zu beigen Gesundheitsschuhen, hautfarbenen Strumpfhosen und braunen, wadenlangen Röcken wie sie meine Oma immer getragen hat.

Übrigens: für diejenigen, die noch nicht mein greises Alter erreicht haben wird es Zeit. Zeit, die Sommersachen wegzupacken und das Wintergewand in Gebrauch zu nehmen. Der Frühling kommt!

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