Jedenfalls gibt es seit ein paar Tagen einen kleinen, weißen Hasen im „HayDay“-Angebot. Süß ist der, der hoppelt nämlich und piepst so herzig und schnüffelt und so und ich will den haben, kann ihn mir aber nicht leisten. P., der alte Streber, dagegen schon. „Papa!“, kräht der jüngere Nachwuchs begeistert, als er diese Tatsache entdeckt. „Kauf dir den Hasen, da kannst du die Mama voll dissen!!!“
Der Versuch, darauf etwas Passendes zu erwidern, bleibt erfolglos. Denn mir wird klar, was mir eigentlich schon am Vortag hätte aufgehen müssen, als Großsohn mir auf die Schulter tippte, ebendies mit „Gebackfischt!“ kommentierte und irre kicherte über diesen, äh, großartigen Scherz: Ich bin angekommen im sprachlichen Eltern-Aus. Ich gehöre nicht mehr dazu, kann nicht mehr mitreden. Ich bin plötzlich diejenige, die altbackene Wörter verwendet wie „Prima“, „Super“ oder „Cool“. Ich bin alt.
Fies ist das, nicht zuletzt, weil ich mich dagegen nicht wehren kann. Egal, was ich sage, es wird falsch sein. Versuche ich zum Beispiel, ein Wortgefecht unter Brüdern mit den Worten „Schluss mit dem Dissen!“ zu beenden, mache ich mich, nicht nur vor dem Nachwuchs, doch komplett lächerlich! Sage ich „Hört auf, euch zu streiten!“ oute ich mich als auf einem ewig gestrigen Sprachniveau Zurückgebliebene.
Ich verspüre ein bisschen Mitgefühl mit meinen Eltern. Ich erinnere mich gut an ihre Zeit im Sprachexil und habe noch die Ermahnungen meines Vaters im Ohr, doch meine jugendliche Wortwahl zu überdenken. Andererseits mussten die sich nur mit so harmlosen Auswüchsen wie „Geil“ herumschlagen. Kinderkram, eigentlich.
Da erhebt sich plötzlich der Ältere vom Sofa, schaut in die familiäre Runde, kommentiert die Gesamtsituation mit einem cool gehauchten „Stylish!“ und entschwebt irgendwo anders hin. Ich fühle mich gemobbt, rolle mich in meiner Seniorenecke zusammen und chille erst mal mein Leben.

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