…bin ich mit einer lieben Freundin zum Frühstück verabredet. Neun Uhr fünfzehn in dem schnuckeligen, brandneuen Café, wo gebacken wird „wie früher“ und in dem es eigentlich immer bummvoll ist, wenn man dran vorbeigeht. Das wollen wir uns auf gar keinen Fall entgehen lassen - so viele Menschen können nicht irren.
Deswegen muss reserviert werden. Also reiße ich die Verantwortung an mich und verspreche, dafür zu sorgen, dass wir am Montag auch sicher ein lauschiges Platzerl haben. Geht sich locker aus, ist ja erst Freitag. Dass ich Anfänger bis Sonntagabend brauche, um die richtige Telefonnummer rauszufinden, kann natürlich kein Mensch ahnen. Ist aber eigentlich eh wurscht. Kann ich alles auch noch montags gleich nach dem Aufstehen erledigen.
Gedacht, getan. Noch vor acht wähle ich das erste Mal die Nummer der Bäckerei. Es tutet. Und tutet. Und tutet. Niemand hebt ab. Naja, denke ich, ist halt wieder bummvoll. Die haben zu tun.
Ein paar Minuten später. Ich wähle die Nummer der Bäckerei. Es tutet. Und tutet. Und tutet. Niemand hebt ab. Naja, denke ich, die haben halt WIRKLICH VIEL zu tun. Wird schon werden. Schließlich lehrt mich die Erfahrung, dass man in solchen Fällen einfach hartnäckig bleiben muss. Irgendwann wird es denen schon zu blöd, wenn ständig das Telefon läutet.
Eine halbe Stunde später gestehe ich mir ein, dass meine Strategie nicht funktioniert. Es geht einfach niemand ans Telefon (so ein mieses Service!). Blöd, weil wenn SO viel los ist, kriegen wir ohne Reservierung garantiert keinen Platz. Da läutet zur Abwechslung mal mein Telefon. Wer, bitte, ruft um die Zeit an?
Mein Blick fällt aufs Display. Ich kann die anrufende Nummer sofort identifizieren – schließlich habe ich sie in der letzten halben Stunde im Zweiminutentakt gewählt. In meinem Schreck hebe ich ab, ohne die Konsequenzen zu überdenken. Ein Mann von der Bäckerei meldet sich, und ich kann an seiner vorsichtigen Stimme hören, dass er nicht weiß, wer ihn hier am anderen Ende der Leitung erwartet. Wahrscheinlich ist er im Geist alle seine Geschäftspartner durchgegangen um rauszufinden, wer in seiner Abwesenheit fünfzehnmal auf dem Büroanschluss angerufen hat. Im Lokal selbst gibt es nämlich noch kein Telefon.
Nach unzähligen gestammelten Entschuldigungen und Erklärungen kann ich an seiner vorsichtigen Stimme hören, dass er mich für ziemlich durchgeknallt hält. Aber er reserviert mir trotzdem einen Tisch. Dankedanketschuldigungwiederhören.
Mist! Ich will da jetzt gar nicht mehr hin. Denn dann wissen die, wie sie aussieht, die hysterische Tussi, die wegen eines läppischen Frühstücks einen mittleren Telefonterror veranstaltet. Aber wenn ich nicht erscheine, haben die ja meine Nummer!!! Wird vielleicht Zeit, dass ich mal umziehe.

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