…ließ mich ein panikartiger Kinderschrei erbarmungslos wissen, dass mein Tag noch lange nicht zu Ende war. Eigentlich war es noch gar nicht so spät, aber am vorangegangenen Nachmittag übermannte mich ungewöhnliche Erschöpfung, so daß ich beschloss, ausnahmsweise mal früh schlafen zu gehen. Meine Augenlider waren mittlerweile nur noch halb offen, meine Arme und Beine gerade so schwer, dass sie eben noch den Weg ins Entspannung und Ruhe verheißende Bett in akzeptabler Geschwindigkeit zu schaffen imstande waren.
Das Gemeine an Magen-Darm-Viruserkrankungen ist ja, dass sie sich so hinterhältig anschleichen. Zuerst werden im näheren Umfeld alle Kinder krank. Die halbe Schulklasse liegt siechend im Bett, im Kindergarten fehlen sogar die Betreuerinnen, das Nachbarskind ist seit drei Tagen nicht zu sehen. Und wir? Wir werden paranoid. Also ich. Denn wenn es alle haben, kriegen wir es sicher auch. Auf meine in Zehn-Minuten-Abständen gestellte Frage „Ist Dir schlecht?“ ernte ich nach dem ersten Tag nur noch Augenverdrehen oder ein zunehmend genervt klingendes „Neiheiiiin!!!“. Dabei meine ich es doch nur gut und ich finde, meine Kinder können froh sein, dass ich sie zwecks Schadensminimierung nicht mit einem Kübel verfolge - das hebe ich mir auf, wenn es wirklich losgeht.
Doch es geht gar nicht los. Und nach Tagen der Symptomlosigkeit fange ich an, mich zu entspannen und größenwahnsinnig zu werden. Im Geheimen natürlich. Kann es sein, dass wir immun sind? Dass die ausgewogene, durchdachte und unglaublich gesunde Ernährung, die ich meinen Kindern angedeihen lasse (*ähem*) und die konsequente Sauberkeitserziehung („HÄNDE waschen!!!“) sie über Dingen wie der profanen Speiberei stehen lassen?
Und just in dem Moment, wo ich mich auf der sicheren Seite wähne und mit einer Gelassenheit, die nur der Nichtbetroffene an den Tag legen kann, die „Anderen“ (die Erkrankten) - mitleidsvoll bedauere, schlägt sie erbarmungslos zu, die Realität. Und so stand ich dann vor den Scherben meiner, im wahrsten Sinne des Wortes, Großkotzigkeit und fing an, die Sauerei wegzuputzen. Bezog das Bett, wusch das Kind, kramte den Kübel hervor und wachte, so gut es geht Trost spendend, neben dem elenden Knirps (natürlich alles mit P.'s tatkräftiger Unterstützung, ich lasse mir doch nicht nachsagen, ich wäre unbescheiden).
Die Paranoia ist übrigens auch wieder da. Ich warte, wen von uns es als nächstes erwischt. Diesmal lasse ich mich aber nicht täuschen und wiege mich vorzeitig in Sicherheit. Im Grunde bin ich überzeugt davon, dass in dem Moment, in dem ich den Kübel wegräume, der Virus wieder zuschlägt. Deswegen bleibt er da. Der Kübel, nicht der Virus.

"Der Virus" ist übrigens erlaubt:
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Ich mein ja nur :-).