Freitag, 12. März 2010

…in meinem Postkasten…

…finde ich einen Brief vom Bürgermeister. An uns! Also nicht jetzt an mich persönlich, aber immerhin an die "Familie S." und nicht an "einen Haushalt“. Pfoah! Es geht um die kürzlich stattgefundene Volksbefragung, an der auch ich schlussendlich geschafft habe, teilzunehmen (der todsichere Briefkasten war Gott sei Dank immer noch da). Und das weiß der Herr Häupl wahrscheinlich, und deswegen hat er uns ein Dankeschön geschickt, weil er sich so freut.

Das steht auch da drin in dem Brief. Dass der Herr Häupl ganz dankbar ist und die Signale verstanden hat. Und dass die Ergebnisse für ihn bindend sind. Diese Ergebnisse stehen auch dort, gegliedert nach den einzelnen Fragen. Und da findet sich unter dem Punkt „Citymaut“ Folgendes: „Eine Citymaut in Wien wird nicht kommen. Die Wiener Bevölkerung bevorzugt zu etwa drei Viertel das bewährte System der Parkraumbewirtschaftung.“ Ich stutze. Ich kann mich nicht erinnern, dass auf dem Fragebogen irgendetwas entweder/oder zu entscheiden war. Denn, ich gebe es zu, ich möchte keine Citymaut - aber das bewährte System der Parkraumbewirtschaftung möchte ich eigentlich auch nicht. Danach hatte mich aber auch keiner gefragt?!?

Nachdem ich mir selber aber nicht hundertprozentig traue, nutze ich das große, weite Web, um den genauen Wortlaut der Frage zu recherchieren. Voilà: „Einige Großstädte (z.B. London, Stockholm) haben zur Bewältigung des innerstädtischen Verkehrs eine Einfahrtsgebühr für das Stadtzentrum eingeführt (Citymaut). In Wien konnte durch die Verkehrspolitik (Ausbau öffentlicher Verkehr, Parkraumbewirtschaftung, Wohnsammelgaragen, Ausbau Radwegenetz) in den letzten Jahren der Autoverkehr in der Stadt deutlich reduziert werden. Soll in Wien eine Citymaut eingeführt werden?“.

Also bitte, Herr Häupl. Das ist doch wohl nicht ihr Ernst. Die bloße Erwähnung der Wiener Verkehrspolitik – vorsichtshalber gleich mit ein paar konkreten Ausprägungsformen, man kann ja nie wissen – als Rechtfertigung für ihr Fortbestehen in der jetzigen Form beim Ankreuzen von „Nein“- und praktischerweise sind die Ergebnisse noch dazu bindend! Mal abgesehen davon, dass ich mich ernsthaft frage, wie die Stadt bei einer Wahlbeteiligung von 36 Prozent (steht in besagtem Brief) wissen kann, dass drei Viertel der Wiener Bevölkerung das „bewährte System“ bevorzugt.

Wie soll ich jetzt bloß diese Signale verstehen?

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