Donnerstag, 11. November 2010

…kurz vorm Gehen…

…bin ich mal wieder reingetappt: In einer Viertelstunde muss ich das Haus verlassen – da gehen sich noch ein kleiner Kaffee und flugs Email-Schauen prima aus, denke ich. Das, was danach passiert, nenne ich die „Nur-schnell-mal-eben-Falle“.

Fünfzehn Minuten Zeit und ich habe einen Plan. Während der Rechner hochfährt, macht mir die Espressomaschine den Kaffee. Mit dem fertigen Gebräu in der Hand setze ich mich an den Schreibtisch und stelle fest, dass der Computer zwar fertig, der Lüfter aber mal wieder nicht angesprungen ist (nein, ich will nicht drüber reden). Das bedeutet: Neustart, und kostet optimistisch geschätzte zwei Minuten.

Geht ja noch. Ich neustarte und nippe an meinem Kaffee. Einmal. Zweimal. Dreimal. Mir bleibt nichts anderes übrig, denn ich muss abwarten, bis die fünf Updates fertig sind, die ich letztes Mal übersprungen habe, weil ich es WIRKLICH eilig hatte (und auch darüber will ich nicht reden). Bei T minus sieben Minuten schmeiße ich die Nerven weg und drehe mitten im Update 3 von 5 die Kiste ab (und darüber will ich jetzt schon überhaupt gar nicht reden).

Neustart. Mein Kaffee ist ausgetrunken. Ich belauere den Computer, damit ich den Plattencheck überspringen kann, den er machen will, weil irgendein Idiot einfach ausgeschaltet hat. Schwer nervös betätige ich die beliebige Taste und zähle die endlos langen Sekunden (Minuten? Stunden?) bis ich mich endlich einloggen kann. Ich will doch nur schnell mal eben Email-Schauen, verdammt!

Schauen geht sich aus, lesen ist nicht drin. Ich muss los, bin grantig auf den Rechner, der beim nächsten Hochfahren stundenlang die Platte überprüfen wird, und auf die ungerechte Welt und auf mich selbst, die zugelassen hat, dass die „Nur-schnell-mal-eben-Falle“ erneut ohne erwähnenswerten Widerstand zugeschnappt ist. Dabei tarnt sie sich noch nicht mal besonders gut…

Bin gleich wieder da, ich geh nur schnell mal eben die Wäsche aufhängen.

Montag, 11. Oktober 2010

…am Montagmorgen...

…bin ich mit einer lieben Freundin zum Frühstück verabredet. Neun Uhr fünfzehn in dem schnuckeligen, brandneuen Café, wo gebacken wird „wie früher“ und in dem es eigentlich immer bummvoll ist, wenn man dran vorbeigeht. Das wollen wir uns auf gar keinen Fall entgehen lassen - so viele Menschen können nicht irren.

Deswegen muss reserviert werden. Also reiße ich die Verantwortung an mich und verspreche, dafür zu sorgen, dass wir am Montag auch sicher ein lauschiges Platzerl haben. Geht sich locker aus, ist ja erst Freitag. Dass ich Anfänger bis Sonntagabend brauche, um die richtige Telefonnummer rauszufinden, kann natürlich kein Mensch ahnen. Ist aber eigentlich eh wurscht. Kann ich alles auch noch montags gleich nach dem Aufstehen erledigen.

Gedacht, getan. Noch vor acht wähle ich das erste Mal die Nummer der Bäckerei. Es tutet. Und tutet. Und tutet. Niemand hebt ab. Naja, denke ich, ist halt wieder bummvoll. Die haben zu tun.

Ein paar Minuten später. Ich wähle die Nummer der Bäckerei. Es tutet. Und tutet. Und tutet. Niemand hebt ab. Naja, denke ich, die haben halt WIRKLICH VIEL zu tun. Wird schon werden. Schließlich lehrt mich die Erfahrung, dass man in solchen Fällen einfach hartnäckig bleiben muss. Irgendwann wird es denen schon zu blöd, wenn ständig das Telefon läutet.

Eine halbe Stunde später gestehe ich mir ein, dass meine Strategie nicht funktioniert. Es geht einfach niemand ans Telefon (so ein mieses Service!). Blöd, weil wenn SO viel los ist, kriegen wir ohne Reservierung garantiert keinen Platz. Da läutet zur Abwechslung mal mein Telefon. Wer, bitte, ruft um die Zeit an?

Mein Blick fällt aufs Display. Ich kann die anrufende Nummer sofort identifizieren – schließlich habe ich sie in der letzten halben Stunde im Zweiminutentakt gewählt. In meinem Schreck hebe ich ab, ohne die Konsequenzen zu überdenken. Ein Mann von der Bäckerei meldet sich, und ich kann an seiner vorsichtigen Stimme hören, dass er nicht weiß, wer ihn hier am anderen Ende der Leitung erwartet. Wahrscheinlich ist er im Geist alle seine Geschäftspartner durchgegangen um rauszufinden, wer in seiner Abwesenheit fünfzehnmal auf dem Büroanschluss angerufen hat. Im Lokal selbst gibt es nämlich noch kein Telefon.

Nach unzähligen gestammelten Entschuldigungen und Erklärungen kann ich an seiner vorsichtigen Stimme hören, dass er mich für ziemlich durchgeknallt hält. Aber er reserviert mir trotzdem einen Tisch. Dankedanketschuldigungwiederhören.

Mist! Ich will da jetzt gar nicht mehr hin. Denn dann wissen die, wie sie aussieht, die hysterische Tussi, die wegen eines läppischen Frühstücks einen mittleren Telefonterror veranstaltet. Aber wenn ich nicht erscheine, haben die ja meine Nummer!!! Wird vielleicht Zeit, dass ich mal umziehe.

Samstag, 25. September 2010

...im Kino...

...sitze ich in einem klassischen Frauenfilm. Wie ich da hineingeraten bin, spielt keine Rolle. Es ändert ja schließlich nichts daran, dass ich über mich ergehen lasse, wie sich die Protagonistin über zwei Stunden lang durch eine Sinnkrise isst, betet und liebt. Danach hat sie sich selbst gefunden und es geht ihr wieder supigut und alles ist in Butter.

Nachdem die im Film angebotenen Problemlösungsstrategien so gut funktionieren fange ich an zu überlegen, ob da nicht was für mich dabei wäre. Hmmm... essen. Jahaaa, DAS kann ich. Gern und wenn es sein muss auch viel. Wobei, Japanisch mag ich nicht so, außerdem habe ich eine Abneigung gegen alles, was glibbert oder Fangarme hat(te). Melonen brauche ich nicht unbedingt, mit Pilzen kann man mich jagen. Ach ja, und Gorgonzola finde ich total eklig.

Gut, also lassen wir das mit dem Essen. Allerdings, beten ist jetzt auch nicht so mein Ding. Ich bin altmodisch genug zu glauben, dass zu einem guten Plauscherl ein Gegenüber dazugehört, das hin und wieder auch was zum Gespräch beiträgt. So mangelt es mir an der nötigen Inbrunst, und für's Meditieren bin ich generell zu zappelig.

Bleibt noch lieben. Verlässliche Freunde, tolle Familie? Im Ernst jetzt, hab ich doch alles. Sägen zwar auch manchmal an meinen Nerven, aber das ist doch alles kein Grund zu so drastischen Massnahmen zu greifen wie essen oder beten.

Immerhin, nach zweieinhalb Stunden Kino mit lauter schluchzenden Sitznachbarinnen weiß ich: ich bin offenbar total verkorkst. Ich finde mich am ehesten in Spaghetti. Ich kann nicht stillsitzen, um mich mit dem Universum zu unterhalten. Ich steh auf die Leute, die mich umgeben. Was soll ich sagen: Gott sei Dank!

Donnerstag, 23. September 2010

…auf dem Amt…

…will ich ein paar Dokumente einreichen. An sich keine große Sache: hinfahren, abgeben, glücklich sein. Nun muss ich aber eine Gebühr entrichten, damit meine Unterlagen ordnungsgemäß gestempelt werden und zu diesem Behufe schickt man mich zum Kassenschalter. Den finde ich auch gleich, aber er ist geschlossen. Das Glasfenster mit der Durchreiche auf Bauchhöhe ist verrammelt mit einer Jalousie und es wirkt eindeutig, als sei niemand zu Hause (falls doch, will jedenfalls niemand gestört werden). Ich finde einen Klingelknopf, den ich schüchtern betätige.

Es erklingt ein typisches Wohnungsglocken-DingDong und - rumpelrumpel - die Jalousie wird nach oben gezogen. Mir eröffnet sich der Blick in das Reich von Werner und Herbert, wie ein (hoffentlich von den lustigen Kollegen) selbstgemaltes Transparent, das an dem nahestehenden Schreibtisch befestigt ist, unübersehbar verkündet. Die Fenster sind dekoriert mit herbstlichen Aufklebern (bunte Blätter und Igel), die Wände quasi tapeziert mit farbigen A4-Zetteln, auf denen heitere Sinnsprüche zu lesen sind: „Gib jedeN Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden“, lese ich. Herzlich willkommen!

Werner oder Herbert fordert mich durch die Glasscheibe auf, ihm via Durchreiche meine Dokumente zu übergeben, um sodann mit Herbert oder Werner die weitere Vorgangsweise zu besprechen. Sie werden sich einig, stempeln meine Zettel (Hurra!) und starten die Bankomatzahlung. Oh Wunderwerk der Technik: HerbertWerner drückt drinnen einen Knopf, und draußen vor der Glasscheibe piepst das Terminal!

„Karte einführen“ lese ich. Ich führe meine Karte ein. „Lesefehler, nochmal Karte“. Ich nehme die Karte raus, stecke sie wieder rein. „Lesefehler, nochmal Karte“. Raus, rein. „Jetzt ned!“ brüllt Herbert (Werner?) von drinnen. Er muss brüllen, denn sonst kann ich ihn auf die Entfernung durch die Glasscheibe nicht hören. Er sitzt nämlich an seinem Schreibtisch, starrt auf seinen Monitor und schüttelt missbilligend den Kopf. „Lesefehler, nochmal Karte“.

Was soll ich jetzt bloß machen? Das Bankomatgerät sagt das Gegenteil von WernerHerbert! Ich stehe da, die lesbaren Fakten auf der einen und die vorwurfsvollen Blicke auf der anderen Seite und komme mir total blöd vor. Da werde ich erlöst: „Jetzt!“ wettert es aus dem Wohnzimmer hinter der Scheibe, und blitzschnell ist meine Karte wieder drin. „Abbruch“ sagt das Display. Ich bin so frei, meine Karte aus dem Gerät zu entfernen und habe das Gefühl, dass gleich jemand explodiert.

Während Herbert oder Werner auf seiner Tastatur rumhämmert, steht Werner oder Herbert möglichst unauffällig in der Gegend rum. Es ist total klar, wer hier der Techniker ist. Es piepst, und die Bankomatkassa möchte erneut meine Karte. Beherzt drücke ich das Stück Plastik in den Schlitz, schicke ein Stoßgebet zum Himmel und siehe da, es funktioniert. Erleichtert tippe ich meinen Code ein, nehme meine Dokumente und die Rechnung entgegen und suche das Weite. Hinter mir höre ich noch, wie – rumpelrumpel – die Jalousie wieder runtergelassen wird…

Montag, 28. Juni 2010

…morgens…

…geht mir auf, dass ich ein Autoritäts-Problem habe. Was ja, nach jahrelanger leidvoller Erfahrung in der Schule und auf der Uni, nicht so ungewöhnlich sein dürfte und welches ich mit schätzungsweise neunzig Prozent meiner Altersgenossen teile. Aber von dem rede ich gar nicht. Ich habe nämlich zusätzlich ein massives und persönliches Autoritäts-Problem mit dem Berufsstand der Rauchfangkehrer.

Hauptkehrungstag. Ich bin bestens vorbereitet: Badezimmer ausgeräumt, Kamintür freigelegt, Kübel, Kehrschaufel, Staubsauger und Trinkgeld hergerichtet. Zwischen neun und elf Uhr kommt er, der Mann in Schwarz mit dem neckischen weißen Hütchen, dem ich, mein Kamin und meine Gaskombitherme auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind.

Es läutet. Eine Viertelstunde zu früh. Doch die Intensität des Klingelgeräusches duldet keinerlei Widerspruch. Hier entscheidet definitiv nicht die Uhr, wie spät es ist. Ich öffne die Tür und winke den Schwarzen Mann mit einem sanften Lächeln weiter ins Badezimmer. Freue mich, dass er diesmal keine Rußspuren auf dem Fußboden hinterlässt. Wahrscheinlich sind wir die Ersten, direkt um, äh, Neun.

Mit kritischem Blick und kundigen Handgriffen macht sich der Herr an unserem Kamin zu schaffen, reinigt, prüft und notiert Dinge auf seinem Klemmbrett. Es fehlt an nichts: ich habe ja Kübel, Kehrschaufel, Staubsauger und Trinkgeld hergerichtet. Dass bisher außer „Guten Morgen“ noch kein Wort gefallen ist, werte ich als positiv und bin in Gedanken schon wieder beim Aufräumen.

Doch dann zerstört das Pickerl auf der Therme meine Illusion der friedlichen und gleichberechtigten Koexistenz. Die Abgasüberprüfung ist nämlich fällig. Oder besser war. Im Mai. Ob ich das denn nicht bemerkt habe? Ich schüttle betroffen mein Haupt und versuche gar nicht erst, mich zu rechtfertigen oder herauszufinden, was genau eigentlich jedes Jahr so auf dem Klemmbrett vermerkt wird. Nun habe ich aufgrund meiner schweren Verfehlung nur noch bis Ende des Monats Zeit. Zwei Tage.

Streng werde ich auf den Paragraphen Sowieso der Wiener Abgas-Wasweißich-Verordnung hingewiesen. Das ist eben so, da gibt es nichts zu rütteln. Sonst muss mich der Rauchfangkehrer beim Magistrat melden. Und dann…

Aber ich habe Glück im Unglück: das Gesetz steht ja quasi vor mir in meinem Badezimmer und verlängert mir meine Frist um zwei Wochen. Ist ja nicht so. Geht schon irgendwie. Bis dann. Und weg isser.

Mann, da kann ich aber froh sein! Vor allen Dingen, dass ich heute anwesend war – nicht auszudenken, hätte ich erst den Zweittermin zur Kehrung im September wahrgenommen. Das Trinkgeld habe ich mir übrigens selber gegeben. Ich finde, das habe ich mir mit meiner Leistung wirklich verdient.

Mittwoch, 19. Mai 2010

…im Drogeriemarkt meines Vertrauens…

… stelle ich zum wiederholten Male fest, dass es etwas nicht mehr gibt. „Etwas“ hat normalerweise folgende, hervorstechende Eigenschaften:

  1. Ich habe lange nach dem perfekten Etwas gesucht
  2. Ich verwende es schon seit Jahren
  3. Ich plante, es noch viele, viele, vieeeeeeeeeeele Jahre zu verwenden.

So. Da stehe ich nun vor dem Nichts, dem gähnend leeren Regal, wo sonst immer mein Haarshampoo zu finden ist. Beim ersten Mal reagiere ich noch mit beruhigendem Zweckoptimismus. Ist bestimmt nur ausverkauft. In ein paar Tagen ist das Regal wieder voll. Und das fehlende Zettelchen mit Produktname und Preis ist mir gar nicht aufgefallen.

Ein paar Tage später, beim zweiten Mal, ist das Regal tatsächlich wieder voll. Nur steht ein mir fremdes Haarwaschmittel drin, pastellfarben und angereichert mit frisch gepflückten Blüten und natürlichen Inhaltsstoffen aller Art. Ich weiß, ich muss jetzt stark sein. Und den Drogeriemarkt wechseln, denn bei der Konkurrenz nebenan sind sie sicher nicht so blöd, das perfekte Shampoo nicht mehr zu verkaufen. Man denke nur an die Umsatzeinbußen! Der Einkäufer hier ist ja so was von unfähig!!

Der Einkäufer nebenan leider auch. Erst jetzt erlaube ich der Wahrheit, ungeschminkt zu mir durchzudringen. Nie wieder. Schon wieder. Denn das aufgelassene Haarshampoo reiht sich ein in die lange Liste der Produkte, die mich im Laufe meines bisherigen Lebens verlassen haben: Duschgels, Parfums, Puder, Shampoos, Haarspray, Deos, Wimperntusche, Cremes, Lotionen, Salben, Zahnpasta, Süßigkeiten, Eis, Softdrinks, Strümpfe, ja, selbst vor meinem heißgeliebten DVD-Wandregal hat das schwedische Einrichtungshaus nicht Halt gemacht. „Benno“ ist Geschichte.

Vielleicht war ich ja die Einzige, die die wunderbare Vollkommenheit all dieser Produkte erkannt und sie auch gekauft hat. In meiner Erinnerung jedenfalls lebt ihr alle weiter - versprochen. Und jetzt kaufe ich dieses pastellfarbene Dingsbumsblütenzeug.

Montag, 12. April 2010

...auf dem Heimweg...

…spaziere ich zufällig bei dem griechischen Ecklokal vorbei. Es ist zwar Mittagszeit, aber es regnet, deswegen sitzt niemand im Vorgarten, den ich schamlos beim Essen beobachten könnte. Völlig uninteressant, denke ich, bis ich die wahlplakatgrossen Schilder sehe, die am Eingang lehnen und augenscheinlich darauf warten, aufgestellt zu werden. Darauf sind Speisen abgebildet, nämlich einige von denen, die man in dem Restaurant konsumieren kann.

Also bitte. Turnt das nur mich dermaßen ab? Ich will kein fotografiertes Essen essen! Fotos auf Speisekarten verleihen ein Flair von Touristenfalle und würdigen die unter Umständen durchaus wohlschmeckenden Nahrungsmittel zu seelenlosem Fast Food herab. Die Farben auf diesen Bildern sind noch dazu immer so grell, dass mir unwillkürlich der Louis de Funès-Film „Brust oder Keule“ einfällt. Da wird nämlich ein Lebensmittelhersteller entlarvt, der seine Waren aus einer gipsähnlichen Masse presst, mit Farbe besprüht und dann wahlweise als Fisch/Huhn/Salat vertickt. Der hatte sicher auch Fotos auf seinen Speisekarten, darauf wette ich!

Gibt es da eigentlich auch ein Casting - Gyros gegen Suvlaki? Tsatsiki gegen Feta? Und wann wird das dann fotografiert? Wird meinem Moussaka etwa kurz vorm Servieren mit der Digicam die Seele geklaut?

Und wer meint, so hübsche Bildchen wären doch hilfreich für das internationale Klientel des Etablissements – auf das auch Gäste, die nicht des Deutschen oder Griechischen mächtig sind wissen, was sie essen – hat noch nie die wahre Poesie einer Speisekarte genossen. Niemand kann mir erzählen, dass man zum Beispiel das legendäre „Seltsam-Schmeck-Huhn“ vom Chinesen im 17ten mit Bildern noch besser beschreiben kann.

Das braucht es einfach nicht. Es sei denn, man verkauft wirklich Fisch/Huhn/Salat (vorzugsweise mit Soße in Brötchen). Da weiß ich dann schon, wo ich hingehen muss, wenn ich Appetit drauf habe. Hat eigentlich jemals ein Restaurant mit Fotos auf der Speisekarte eine Haube bekommen?

Dienstag, 23. März 2010

…beim Kochen…

…frage ich mich, wofür ich eigentlich bestraft werde. Manchmal bringen mich die Banalitäten des Alltags echt zur Strecke – meistens, wenn mein Nervenkostüm sowieso schon etwas überstrapaziert ist. Das geht oft recht flott, dafür habe ich ja schließlich extra meine zwei Kinder. Die ich aber natürlich trotzdem nach bestem Wissen und Gewissen umsorge und hätschle, und für die ich hin und wieder sogar koche.

Womit wir beim Stein des Anstoßes sind, der mich in unregelmäßigen Abständen total unlocker werden lässt. Der kommt nämlich in postkartengroßen Sackerln, auf denen der ungarische Name des Herstellers prangt und die befüllt sind mit getrockneten, gemahlenen oder gerebelten Gewürzen. Und weil dosiertes Würzen direkt aus dem Sackerl so gut wie unmöglich ist (da kommt garantiert immer viel zu viel auf einmal raus), wird deren Inhalt gewissenhaft in die viel zweckmäßigeren Glasbehälter umgefüllt.

Soviel zur Theorie. In der Praxis sieht das dann ungefähr so aus: Ich koche. Die Nudeln sieden vor sich hin, lediglich die Soße bedarf noch einer klitzekleinen, geschmacklichen Verbesserung. Klar - Majoran. Ich öffne den Schrank, greife zum Majoran-Glasflascherl. Das ist leer. Mit gewissenhafter Ignoranz und Faulheit habe ich natürlich nicht nachgefüllt. Und deswegen muss ich das jetzt schnell machen. Sonst geht am Ende noch die Würze schief.

Ich habe selbstverständlich einen Vorrat an Postkartensackerln. Die muss ich alle aus dem Kasten räumen, damit ich rausfinden kann, wo der Majoran ist.

Und WER, bitte schön, hat meinen Gewürzvorrat mit Reispackerln verbaut? Ich räume also den Reis aus dem Schrank, damit ich die Sackerln hervorkramen kann um den Majoran umzufüllen, damit die Würze nicht schiefgeht. Die Nudeln brauchen noch zwei Minuten. Ist der Tisch eigentlich schon gedeckt? Die seltsamen Klopfgeräusche aus dem Kinderzimmer ignoriere ich, dafür ist jetzt keine Zeit. Räumräum, kramkram, hurra, der Majoran, und sogar nicht abgelaufen.

Glasflasche aufschrauben, Sackerl aufreissen, genau zielen, keine hektischen Bewegungen. Nicht aus der Ruhe bringen lassen von zerkochenden Nudeln und plärrenden Kindern. Meine rechte Hand (die mit dem Sackerl) zittert ganz leicht über dem viel zu kleinen Loch in der Glasflasche.

Beim Anblick des danebengegangenen Majorans kommt mir, wie jedes Mal, der Gedanke, dass es vielleicht schlau gewesen wäre, über der Soße umzufüllen. Nachdem es dafür zu spät ist, will ich nun aber den Rest des gerebelten Krauts, der in den hintersten Ecken des Sackerls kleben geblieben ist, nicht auch noch verschwenden. Ab damit in den Topf… wedelwedel, wackelwackel.

Wie lautete sie noch, die goldene Regel im Umgang mit Gewürzsackerln? Da kommt GARANTIERT immer viel zu viel auf einmal raus…

Mittwoch, 17. März 2010

…auf dem Gehsteig…

…durfte ich wieder einmal bewundern, was aus einem Hund so alles rauskommen kann. Nicht, dass mich das persönlich näher interessieren würde, aber die in allen Nuancen zwischen dunkel- und rötlich-braun gefärbten Ausscheidungen der Wuffis aus der Umgebung pflastern meine Wege und sind daher recht schwer zu übersehen. Ganz selten, ich gebe es zu, erstarre ich leicht schaudernd in Ehrfurcht und frage mich, in was für einem Wesen diese Menge Zeug drinnen gesteckt haben könnte. Und was aus dem armen Tropf geworden ist, der die Misere sechs Meter weit (Wissentlich? Unwissentlich?) mit sich mitgeschleift hat.

Nun habe ich im letzten Jahr begonnen, vermehrt mit dem Roller zu fahren. Diese Art der innerstädtischen Fortbewegung habe ich zu schätzen gelernt: ich bin flink, wendig und wesentlich flotter an meinem Ziel, als es in der vor-rollerischen Zeit der Fall war. Lästiges Parkplatzsuchen fällt weg, und Angst vor Dieben, wie bei meinem heiligen Mountainbike, brauche ich auch nicht zu haben - Dank des praktischen Zusammenklappmechanismus’ trage ich meine zwei Räder immer bei mir.

Nachdem jetzt aber einerseits das Tauwetter die über den Winter hübsch konservierten Hundeexkremente der letzten Monate zu Tage gefördert hat und andererseits die Menschen wieder vermehrt Draußen spazieren gehen, ist Schluss mit schnell und wendig. Ich fahre Schlangenlinien auf einem Hindernisparcours besonderer Güte: schon der kleinste Fahrfehler oder nur ein Mini-Fehltritt um ein paar Zentimeter kann weitreichende Folgen haben. Wer jemals Hundescheiße aus Sohlen von Winterschuhen oder Kinderwagenprofilreifen rauskratzen musste weiß, wovon ich spreche.

Auch die Medien greifen die Problematik momentan auf: In der Zeitung fand sich vor ein paar Tagen ein Artikel über Hundebesitzer, die sich von der über die Kacke schlitternden und darob über sie, die Besitzer, wetternden Bevölkerung diskriminiert fühlen. Denn jene, die die Hauferln verantwortungsvoll wegräumen und ordnungsgemäß entsorgen, sind ja gar nicht schuld am omnipräsenten braunen Gatsch. Das stimmt natürlich. Und trotzdem richtet sich mein Unmut gegen den nächstbesten Hundebesitzer, wenn wir wieder mal auf der für Hunde verbotenen Wiese im Park nicht Fußball spielen können, weil alles vollgegackt ist. Ich kann nämlich nicht unterscheiden, aus welchem Hund das rausgekommen ist, was ich an meinen Schuhen pickend unfreiwillig mit nach Hause nehme.

Was bleibt? Vorsichtig fahren. Rücksichtsvoll sein. Nicht auf unschuldige Hunde schimpfen. Und ja nicht aufregen. Kann ja keiner was dafür.

Samstag, 13. März 2010

…am Abend…

…ließ mich ein panikartiger Kinderschrei erbarmungslos wissen, dass mein Tag noch lange nicht zu Ende war. Eigentlich war es noch gar nicht so spät, aber am vorangegangenen Nachmittag übermannte mich ungewöhnliche Erschöpfung, so daß ich beschloss, ausnahmsweise mal früh schlafen zu gehen. Meine Augenlider waren mittlerweile nur noch halb offen, meine Arme und Beine gerade so schwer, dass sie eben noch den Weg ins Entspannung und Ruhe verheißende Bett in akzeptabler Geschwindigkeit zu schaffen imstande waren.

Und dann: „Maaaaamaaaaaaaaaa!!!“. Das war nicht irgendein simpler Ruf nach etwas zu Trinken oder nach einem verlorenen Kuscheltier. DAS war die Essenz von akuter Kindernot – und das bedeutet im simpelsten Fall, dass neben intensiver Zuwendung zumindest ein Bett neu überzogen werden muß. Mein Körper schaltet praktischerweise in so einer Situation innerhalb einer Millisekunde auf Alarmstufe Rot, und meine eben noch schlummernden Gliedmassen trugen mich so schnell ins Kinderzimmer, dass mein Hirn noch mit Aufstehen beschäftigt war, als ich schon längst vor Ort die Bescherung begutachten durfte.

Das Gemeine an Magen-Darm-Viruserkrankungen ist ja, dass sie sich so hinterhältig anschleichen. Zuerst werden im näheren Umfeld alle Kinder krank. Die halbe Schulklasse liegt siechend im Bett, im Kindergarten fehlen sogar die Betreuerinnen, das Nachbarskind ist seit drei Tagen nicht zu sehen. Und wir? Wir werden paranoid. Also ich. Denn wenn es alle haben, kriegen wir es sicher auch. Auf meine in Zehn-Minuten-Abständen gestellte Frage „Ist Dir schlecht?“ ernte ich nach dem ersten Tag nur noch Augenverdrehen oder ein zunehmend genervt klingendes „Neiheiiiin!!!“. Dabei meine ich es doch nur gut und ich finde, meine Kinder können froh sein, dass ich sie zwecks Schadensminimierung nicht mit einem Kübel verfolge - das hebe ich mir auf, wenn es wirklich losgeht.

Doch es geht gar nicht los. Und nach Tagen der Symptomlosigkeit fange ich an, mich zu entspannen und größenwahnsinnig zu werden. Im Geheimen natürlich. Kann es sein, dass wir immun sind? Dass die ausgewogene, durchdachte und unglaublich gesunde Ernährung, die ich meinen Kindern angedeihen lasse (*ähem*) und die konsequente Sauberkeitserziehung („HÄNDE waschen!!!“) sie über Dingen wie der profanen Speiberei stehen lassen?

Und just in dem Moment, wo ich mich auf der sicheren Seite wähne und mit einer Gelassenheit, die nur der Nichtbetroffene an den Tag legen kann, die „Anderen“ (die Erkrankten) - mitleidsvoll bedauere, schlägt sie erbarmungslos zu, die Realität. Und so stand ich dann vor den Scherben meiner, im wahrsten Sinne des Wortes, Großkotzigkeit und fing an, die Sauerei wegzuputzen. Bezog das Bett, wusch das Kind, kramte den Kübel hervor und wachte, so gut es geht Trost spendend, neben dem elenden Knirps (natürlich alles mit P.'s tatkräftiger Unterstützung, ich lasse mir doch nicht nachsagen, ich wäre unbescheiden).

Die Paranoia ist übrigens auch wieder da. Ich warte, wen von uns es als nächstes erwischt. Diesmal lasse ich mich aber nicht täuschen und wiege mich vorzeitig in Sicherheit. Im Grunde bin ich überzeugt davon, dass in dem Moment, in dem ich den Kübel wegräume, der Virus wieder zuschlägt. Deswegen bleibt er da. Der Kübel, nicht der Virus.

Freitag, 12. März 2010

…in meinem Postkasten…

…finde ich einen Brief vom Bürgermeister. An uns! Also nicht jetzt an mich persönlich, aber immerhin an die "Familie S." und nicht an "einen Haushalt“. Pfoah! Es geht um die kürzlich stattgefundene Volksbefragung, an der auch ich schlussendlich geschafft habe, teilzunehmen (der todsichere Briefkasten war Gott sei Dank immer noch da). Und das weiß der Herr Häupl wahrscheinlich, und deswegen hat er uns ein Dankeschön geschickt, weil er sich so freut.

Das steht auch da drin in dem Brief. Dass der Herr Häupl ganz dankbar ist und die Signale verstanden hat. Und dass die Ergebnisse für ihn bindend sind. Diese Ergebnisse stehen auch dort, gegliedert nach den einzelnen Fragen. Und da findet sich unter dem Punkt „Citymaut“ Folgendes: „Eine Citymaut in Wien wird nicht kommen. Die Wiener Bevölkerung bevorzugt zu etwa drei Viertel das bewährte System der Parkraumbewirtschaftung.“ Ich stutze. Ich kann mich nicht erinnern, dass auf dem Fragebogen irgendetwas entweder/oder zu entscheiden war. Denn, ich gebe es zu, ich möchte keine Citymaut - aber das bewährte System der Parkraumbewirtschaftung möchte ich eigentlich auch nicht. Danach hatte mich aber auch keiner gefragt?!?

Nachdem ich mir selber aber nicht hundertprozentig traue, nutze ich das große, weite Web, um den genauen Wortlaut der Frage zu recherchieren. Voilà: „Einige Großstädte (z.B. London, Stockholm) haben zur Bewältigung des innerstädtischen Verkehrs eine Einfahrtsgebühr für das Stadtzentrum eingeführt (Citymaut). In Wien konnte durch die Verkehrspolitik (Ausbau öffentlicher Verkehr, Parkraumbewirtschaftung, Wohnsammelgaragen, Ausbau Radwegenetz) in den letzten Jahren der Autoverkehr in der Stadt deutlich reduziert werden. Soll in Wien eine Citymaut eingeführt werden?“.

Also bitte, Herr Häupl. Das ist doch wohl nicht ihr Ernst. Die bloße Erwähnung der Wiener Verkehrspolitik – vorsichtshalber gleich mit ein paar konkreten Ausprägungsformen, man kann ja nie wissen – als Rechtfertigung für ihr Fortbestehen in der jetzigen Form beim Ankreuzen von „Nein“- und praktischerweise sind die Ergebnisse noch dazu bindend! Mal abgesehen davon, dass ich mich ernsthaft frage, wie die Stadt bei einer Wahlbeteiligung von 36 Prozent (steht in besagtem Brief) wissen kann, dass drei Viertel der Wiener Bevölkerung das „bewährte System“ bevorzugt.

Wie soll ich jetzt bloß diese Signale verstehen?

Mittwoch, 10. März 2010

…in der Zeitung…

…lese ich den x-ten Artikel darüber, dass wir in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft leben. Ich persönlich bin mir allerdings nicht sicher, auf welcher Seite ich dabei stehe. In meinem Leben hat sich nämlich in den letzten Jahren Entscheidendes verändert. Es hat mir neben ein paar (wenigen und kaum sichtbaren) Falten und zwei Kindern nämlich auch einen akademischen Titel beschert.

Lange Jahre (und ich meine wirklich lange Jahre) bin ich mit meinem nackten Nachnamen durchs Leben spaziert und war erfolgreich ein Niemand wie alle anderen auch. Seit meinem Studienabschluß bin ich plötzlich die „Frau Magister“ und weil ich ja in Österreich lebe, ist sichergestellt, dass ich und alle anderen das niemals mehr vergessen werden.

Da sitze ist vor ein paar Tagen im Warteraum eines Wiener Amtes und werde aufgerufen. „Frau Magister S., bitte“ und - wusch! – die Köpfe der anderen drehen sich in Richtung meiner Person, die gerade ihre Siebensachen zusammensammelt. Es gelingt mir niemals, die bohrenden Blicke der anderen nonchalant zu ignorieren, denn ich kann hören, was sie denken: „Wieso kommt die jetzt schon dran?“, „Glaubt die, sie ist was Besseres?“, „DIE hat studiert?“.

Das ist doch total unfair! Hier fängt der ganze Zwei-Klassen-Mist doch schon an!

Ich weiß das alles so genau, weil ich natürlich auch ständig so was denke, wenn ein Akademiker demonstrativ als solcher aufgerufen wird. Das kann ich mir locker erlauben, so lange ich anonym in der Masse der Wartenden untertauchen kann. Sobald ich dann als Studierte demaskiert worden bin, mache ich mich möglichst rasch aus dem Staub.

Umgekehrt war es mir vor Kurzem in einem großen Kaufhaus unmöglich, die Verkäuferin nach dem Preis der von mir favorisierten Socken zu fragen. Sie war damit beschäftigt, auf dem Weg zur Kassa eine alte Dame dermaßen mit Höflichkeiten zu überschütten, dass sie keine Augen für mich hatte. Das Objekt der Zuwendung war übrigens die „Frau Hofrat“ – wozu, frage ich mich da, habe ich nun eigentlich studiert?

Freitag, 26. Februar 2010

…an der Supermarktkassa…

…ist es wieder passiert. Eigentlich passiert es mir andauernd. Und ich rede jetzt nicht von der allseits bekannten Tatsache, dass man grundsätzlich in der Warteschlange steht, in der es am längsten dauert. Das regt mich nur noch in Ausnahmefällen auf, da bin ich total abgeklärt. Nein, ich spreche davon, dass die Kassiererin meine Einkäufe schneller über den Scanner zieht, als ich sie wieder in mein Wagerl räumen kann. Davon, dass ich die Waren direkt in mein Einkaufssackerl verfrachten könnte, wage ich ja schon gar nicht mehr zu träumen (vor ein paar Monaten ist mir das mal gelungen, da war ich aber stolz!).

Nachdem ich ja nun um dieses rätselhafte Phänomen weiß, versuche ich mich vorzubereiten. Ich nutze meine Wartezeit, um zu planen, wie ich mithalten kann mit dieser affenartigen Geschwindigkeit. Also, Sackerl geöffnet im Wagen positionieren. Erst die großen Sachen aufs Förderband, die werden dann in die Ecken gestellt. Danach Kleinzeug, das nicht kaputtgeht – super, weil das kann man en bloc in die Tragetasche werfen. Zum Schluss die Dinge, die nicht zerdrückt werden sollen, Obst, Gemüse, Eier.

Die Kassiererin, jung, gebräunt, sorgfältig geschminkt, greift zum ersten Produkt… Halt! Sie muss doch von vorn nehmen! Nicht mit den Eiern beginnen! … piep, piep, piep, liegt vor mir mein Haufen Einkäufe. Und während ich hektisch damit beschäftigt bin, möglichst rasch Ordnung ins Chaos zu bringen, sitzt die junge Dame an der Kassa mit unübersehbar triumphierendem Lächeln da, guckt Löcher in die Luft und trommelt mit ihren Fingernägeln gelangweilt und ausreichend demütigend auf die Kassa (echt jetzt! - und sie macht das auch, wenn niemand hinter mir wartet). Der Druck, der auf mir lastet, ist enorm und während ich in meiner großen, schwarzen Tasche meine kleine, schwarze Geldbörse suche, habe ich einen Schweißausbruch.

Das schlimmste ist, ich glaube, sie stehen drauf. Nur eine schnelle Kassiererin ist eine gute Kassiererin: Der geheime Supermarkt-Kodex. Gott sei Dank gibt es im Supermarkt meiner Wahl jedoch eine etwas ältere Angestellte, der das alles gleich zu sein scheint. Mit stoischer Ruhe zieht sie Packung um Packung so langsam wie möglich über den Scanner, unbeirrt von elendslangen Warteschlangen und ungeduldigen Kunden. Und bei ihr stelle ich mich an, wenn es mir reicht. Das reinigt innerlich und macht Mut für die nächste Runde im Kampf mit dem jugendlichen Tempowahn. Weil: irgendwann bin ich schneller.

Dienstag, 23. Februar 2010

...beim Anziehen...

...sah ich glasklar. Es ist entsetzlich. Ich werde alt. Das merke ich jetzt nicht nur an den harten Fakten (also dem ekelhaft runden Geburtstag, den ich heuer überstehen muss), sondern vielmehr an meiner verlorengegangenen Kritiklosigkeit in puncto Stilfragen. Soll heißen: mittlerweile dominiert die Vernunft bei der wichtigen Frage, was ich heute anziehen soll. Und das wiederum heißt, dass ich mich inzwischen der Jahreszeit angemessen kleide.

Mit komplettem Unverständnis beobachte ich Menschen, die lieber schön sind als wahlweise nicht zu frieren/zu schwitzen. Die Studentin, die im August in der U-Bahn bei gefühlten 40 Grad Celsius mit stylischem Schal um den Hals und Lammfellstiefeln an den Füßen den Sommer Lügen straft, sieht zwar vielleicht ganz gut aus, ok, aber… Halloho? Es ist Sommer, also raus aus den Klamotten!

Fein war auch die Opernballübertragung neulich. Da stehen sie alle im Freien auf dem „Red Carpet“ in schulterfreien Designerroben und tun so, als wären ihnen minus 7 Grad, eisiger Wind und Schneefall völlig wurscht. Dabei friert mir beim Zuschauen schon alles ab, und ich kann überhaupt nicht verstehen, wie die es alle schaffen, nicht gequält dreinzuschauen und mit den Zähnen zu klappern.

Und dabei habe ich noch die mahnenden Worte meiner Mutter im Ohr, die mich während meiner Teenagerjahre unermüdlich entweder auf die zu kurze Jacke, das unpassende Schuhwerk oder die fehlende Mütze aufmerksam machte. Was soll ich sagen? In dieser Wintersaison habe sogar ich mir eine Haube angeschafft und sie dankbar getragen. Dankbar einerseits, weil ich warme Ohren hatte und andererseits, weil meine Umwelt ob meines Anblicks nicht in Lachkrämpfe ausgebrochen ist.

So ist das wahrscheinlich im Leben, man verweichlicht ganz langsam vor sich hin und wenn es einem auffällt, ist es zu spät. Ich trage meine Haube immer bei mir. Der nächste Schritt führt mich dann wohl unweigerlich zu beigen Gesundheitsschuhen, hautfarbenen Strumpfhosen und braunen, wadenlangen Röcken wie sie meine Oma immer getragen hat.

Übrigens: für diejenigen, die noch nicht mein greises Alter erreicht haben wird es Zeit. Zeit, die Sommersachen wegzupacken und das Wintergewand in Gebrauch zu nehmen. Der Frühling kommt!

Montag, 22. Februar 2010

...nach dem Skiurlaub...

...überkommt uns der alljährliche, übermächtige Drang nach Schokolade. Natürlich essen wir auch sonst hin und wieder gerne was Süßes, aber trotzdem ist die braune Gute-Laune-Medizin normalerweise kein Bestandteil unseres täglichen Ernährungsplanes. Aber ist ja auch egal. Was ich eigentlich sagen will: einmal im Jahr mache ich mich auf zum Supermarkt, um eine möglichst überdimensional große Tafel „Trauben-Nuss“ (aber nur, weil P. das so will!) in der allseits bekannten, einprägsam bunten Verpackung zu kaufen.

Und weil ich das nur einmal im Jahr mache, schaue ich mir dann auch wirklich an, was da so draufsteht auf meiner knalligen Riesenschoki. Klar, lauter knackige Nüsse drin. Ebenfalls total gesund aussehende Rosinen. Eine Kuh ist auch drauf, schöne Farbe. Und, schau, schau: „Garantiert 100% Alpenmilch“ – na, wenn das mal kein Versprechen ist!

Denn, bitte, was genau ist Alpenmilch?

Milch, in den Alpen frisch gezapft vom Bergbauern? Oder muss die Spenderkuh in der Alpenregion geboren sein? Ist das Fressen von sattgrünem Alpengras Voraussetzung für die Produktion von Original-Alpenmilch? Weil, das Gras könnte man ja unter Umständen auch exportieren. Es wäre natürlich auch möglich, dass die Durchschnittskuh nach einem dreitägigen Vor-Ort-Seminar „Alpenmilch zertifiziert“ wird. Was praktisch wäre, denn dann müsste man den edlen Tropfen nicht so weit durch die Gegend zur Schokoladefabrik chauffieren. Falls die nicht ohnehin am Berg oben steht. Aber was weiß schon ein einfacher Konsument wie ich.

Vielleicht ist es aber auch so, dass gewöhnliche Milch genau durch den Transport in die Alpen veredelt wird! Ja, und je weiter oben die Fabrik, desto höher der Alpen-Anteil der Milch. Das heißt: Schoko-Werk neben dem Gipfelkreuz - 100% Alpenmilch. Mittelstation - 50%. Und die Faulen, denen das Geschiss mit dem Berg zu mühsam ist, müssen halt mit stinknormaler Milch vorlieb nehmen. Ja!

Doch am Ende des Tages stelle ich mich der harten Realität: die Alpenmilch kommt höchst wahrscheinlich dort her, wo auch die Carmagnola-Minze wächst. Und das einzige, was mir garantiert wird, sind hundert Prozent, unpackbar viele Kalorien. Die werden nämlich neuerdings auf der Vorderseite angeführt.

Ich verschiebe die Tafel auf nächstes Jahr. Sollen doch die anderen dick und fett werden, ha. Und jetzt lese ich mir die Rückseite durch. Muh!

Donnerstag, 11. Februar 2010

…in der Früh…

…war ich unterwegs in Sachen direkter Demokratie. Weil, ich wohne ja in Wien und da kann ich neuerdings mitbestimmen. Die Stadt hat mir einen bunten Zettel mit fünf Fragen zugeschickt (bei denen sie sich wahrscheinlich alleine nicht entscheiden kann) und den habe ich brav ausgefüllt (bei einer Frage konnte ich mich aber auch nicht entscheiden), in die erforderlichen zwei Briefumschläge eingetütet und ganz fest zugepickt. So einfach geht das. Toll, oder?

Und da sind wir auch schon beim eigentlichen Problem. Der finale Schritt zur Wahrnehmung meiner Bürgerrechte erfordert den Einwurf meines sorgsam verpackten Stimmzettels in einen Briefkasten, damit die liebe Post ihn dann der Stadt bringen kann, die sich dann freut und natürlich in meinem Sinn entscheidet. Ich war durchaus optimistisch, dass das zu schaffen ist, schließlich sind bei uns die Postkästen auffällig gelb und nicht rot-getarnt wie in Italien, wo ich noch jedes mal meinen Mist hineinschmeißen wollte (und umgekehrt).

So gerüstet spazierte ich guten Mutes die belebte Einkaufsstraße, an der ich wohne, entlang, meinen wachen Blick auf Hauswände und Straßenecken gerichtet auf der Suche nach der charakteristischen, knalligen Farbe und dem einladenden Briefeinwurfschlitz. Was soll ich sagen – meine weisen Antworten liegen immer noch in meiner Tasche. Ich konnte beim besten Willen keinen Postkasten finden, und ja, vielleicht war es ein klein wenig naiv zu glauben, die seien an einer Hauptstraße an jeder Ecke. Doch selbst an den geheimen Geheimstellen in Nebenstraßen und Seitengassen, zu denen ich dann extra gegangen bin, war kein Briefkasten mehr. Die sind alle v e r s c h w u n d e n ! ! !

Also wie jetzt von wegen „direkte“ Demokratie? Heißt das, dass ich meinen Stimmzettel direkt hinbringen soll? Warum haben die das nicht gleich gesagt? Nicht mir mir. Ich gebe nicht auf. Weil, eine Stelle kenne ich noch - ein todsicherer Tipp. Und ansonsten bleibt mir ja noch der italienische Weg.

Mittwoch, 10. Februar 2010

...also heute...

...habe ich beschlossen, mit der Zeit zu gehen. Rede ich mir zumindest ein, weil eigentlich hat den Kram ja eh schon ein jeder und damit ist er doch fast schon wieder out. Ist das so? Egal, ich rede mich auf meine generelle Unwissenheit heraus und fühle mich vorsorglich einfach mal total cool.

Jedenfalls habe ich jetzt auch ein Blog, jawohl. Mal schauen, ob außer Besitzerstolz noch was draus wird.